Rendite
Break-even-Miete berechnen
Die Break-even-Miete ist die Kaltmiete, bei der dein Cashflow genau null ist. Rechne Darlehensrate, nicht umlagefähiges Hausgeld und Instandhaltungsreserve zusammen und teile durch 0,97 für das Mietausfallwagnis. Liegt die Zahl über der ortsüblichen Miete, ist der Kaufpreis zu hoch oder dein Eigenkapital zu klein.
Die Frage, die vor dem Kauf kommt
Die meisten rechnen so: Ich kenne die Miete, ich kenne den Preis, wie sieht der Cashflow aus? Dreh die Frage um. Welche Miete bräuchte diese Wohnung, damit sie mich nichts kostet?
Diese eine Zahl sagt dir mehr über ein Objekt als jede Renditeangabe im Exposé. Denn du kannst sie direkt mit der Wirklichkeit vergleichen: mit der Miete, die im Vertrag steht, und mit der Miete, die im Viertel tatsächlich gezahlt wird.
Liegt die Break-even-Miete darunter, arbeitet die Wohnung für dich. Liegt sie darüber, zahlst du jeden Monat drauf. Und dann musst du wissen, warum du das tust. Den Überblick über alle Kennzahlen findest du unter Rendite von Anlageimmobilien richtig berechnen.
Der Rechenweg in fünf Schritten
| Schritt | Was du tust |
| 1 | Gesamtinvestition bestimmen: Kaufpreis plus Kaufnebenkosten |
| 2 | Darlehen bestimmen: Gesamtinvestition minus Eigenkapital |
| 3 | Monatsrate rechnen: Darlehen × (Zins + Tilgung) ÷ 12 |
| 4 | Laufende Kosten addieren: nicht umlagefähiges Hausgeld plus eigene Instandhaltungsreserve |
| 5 | Summe durch 0,97 teilen, weil 3 % Mietausfallwagnis abgehen |
Der fünfte Schritt überrascht viele. Wenn du drei Prozent der Miete für Leerstand und Ausfall zurücklegst, brauchst du entsprechend mehr Miete, um am Ende auf null zu kommen. Deshalb wird geteilt und nicht addiert.
Durchgerechnet: 70 Quadratmeter im Essener Norden
Eine Bestandswohnung, 70 Quadratmeter, Kaufpreis 145.000 Euro. Eigenkapital 35.000 Euro. Zins 3,8 Prozent, Anfangstilgung 2,0 Prozent.
| Position | Betrag |
| Kaufpreis | 145.000,00 € |
| + Kaufnebenkosten 8,5 % (6,5 % Grunderwerbsteuer, 2 % Notar und Grundbuch) | 12.325,00 € |
| = Gesamtinvestition | 157.325,00 € |
| − Eigenkapital | −35.000,00 € |
| = Darlehen | 122.325,00 € |
| Monatsrate: 122.325 × 5,8 % ÷ 12 | 591,24 € |
| + nicht umlagefähiges Hausgeld | 95,00 € |
| + Instandhaltung Sondereigentum: 70 m² × 8 € ÷ 12 | 46,67 € |
| = Summe je Monat | 732,91 € |
| Break-even-Miete: 732,91 ÷ 0,97 | 755,57 € |
| je Quadratmeter | 10,79 € |
Die Probe: 755,57 Euro minus 3 Prozent Mietausfallwagnis, also 22,67 Euro, minus 95 Euro Hausgeld, minus 46,67 Euro Instandhaltung, minus 591,24 Euro Rate ergibt exakt null.
Und jetzt der unangenehme Teil. Im Essener Norden werden für eine solche Wohnung eher 8 bis 9 Euro je Quadratmeter gezahlt. Die Wohnung bräuchte 10,79 Euro. Zu diesen Konditionen trägt sie sich nicht. Prüf deine eigenen Werte im Cashflow-Rechner.
Was die Zahl über den Kaufpreis verrät
Jetzt dreh die Rechnung um. Die Marktmiete beträgt 8,20 Euro je Quadratmeter, also 574 Euro im Monat. Welcher Kaufpreis passt dazu?
Tragbare Rate: 574 Euro minus 3 Prozent, minus 95 Euro, minus 46,67 Euro ergibt 415,11 Euro. Daraus folgt ein Darlehen von 85.886 Euro, plus 35.000 Euro Eigenkapital eine Gesamtinvestition von 120.886 Euro, und nach Abzug der Nebenkosten ein Kaufpreis von rund 111.400 Euro. Das sind etwa 1.592 Euro je Quadratmeter.
Die Wohnung wird für 145.000 Euro angeboten. Rechnerisch tragbar sind gut 111.000 Euro. Die Differenz beträgt rund 34.000 Euro. Das ist keine Verhandlungsposition, sondern eine Größenordnung, an der du die Sinnhaftigkeit misst.
Es gibt einen zweiten Weg: mehr Eigenkapital. Bei 145.000 Euro Kaufpreis und 574 Euro Marktmiete bräuchtest du rund 71.400 Euro Eigenkapital, also 45 Prozent der Gesamtinvestition. Dann ist der Cashflow bei null — deine Eigenkapitalrendite aber deutlich schlechter. Warum, steht unter Kaufpreisfaktor bewerten.
Wie die Stellschrauben wirken
Ausgangsfall bleibt: Kaufpreis 145.000 Euro, 70 Quadratmeter, Break-even 755,57 Euro.
| Variante | Rate | Break-even | je m² |
| Ausgangsfall: EK 35.000 €, Tilgung 2,0 % | 591,24 € | 755,57 € | 10,79 € |
| Tilgung auf 1,5 % gesenkt | 540,27 € | 703,03 € | 10,04 € |
| Tilgung auf 2,5 % erhöht | 642,21 € | 808,12 € | 11,54 € |
| Eigenkapital 20.000 € | 663,74 € | 830,31 € | 11,86 € |
| Eigenkapital 50.000 € | 518,74 € | 680,83 € | 9,73 € |
| Nur Zinsen, keine Tilgung | 387,36 € | 545,39 € | 7,79 € |
Die letzte Zeile ist der wichtigste Warnhinweis der ganzen Seite. Ohne Tilgung wirkt jedes Objekt plötzlich tragfähig. Nur baust du dann kein Vermögen auf und stehst nach der Zinsbindung mit der vollen Restschuld da.
Zwei Lehren daraus. Erstens: Eine niedrigere Tilgung verbessert den Cashflow, nicht deine Lage. Wie sich Zins und Tilgung über die Zeit verschieben, steht unter Annuitätendarlehen verstehen. Zweitens: Mehr Eigenkapital senkt die Break-even-Miete spürbar, kostet aber Rendite auf das eingesetzte Kapital.
Rechenbeispiel mit angenommenen Konditionen. Zinssätze, Hausgeld und Mieten unterscheiden sich je nach Objekt und Bank. Diese Seite ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung.
Aus der Verwaltungspraxis
Mein Unternehmen verwaltet rund 4.000 Einheiten in Nordrhein-Westfalen, und über das Maklerteam laufen mehr als 200 Verkäufe im Jahr. Ich sehe damit beide Seiten: die Zahlen im Exposé und die Zahlen in der Abrechnung drei Jahre später.
Erfahrungswert aus dem eigenen Bestand: Bei Rechnungen, die Käufer mir vorlegen, fehlt am häufigsten die eigene Instandhaltungsreserve für das Sondereigentum. Der Posten wirkt klein — hier 46,67 Euro im Monat — verschiebt die Break-even-Miete aber um rund 48 Euro. Das sind fast 0,70 Euro je Quadratmeter und damit genau der Unterschied zwischen tragfähig und knapp daneben.
Zweite Beobachtung: Das nicht umlagefähige Hausgeld wird fast immer zu niedrig angesetzt. In den von mir verwalteten Objekten liegt es typischerweise bei einem Drittel bis vierzig Prozent des Hausgelds, bei älteren Häusern mit hoher Zuführung zur Rücklage auch darüber.
Meine praktische Empfehlung: Rechne die Break-even-Miete vor der Besichtigung, nicht danach. Und schreib sie dir auf einen Zettel. Wenn im Termin die Begeisterung einsetzt, hast du eine Zahl, die nicht mitfiebert.
Fragen
Häufige Fragen zur Break-even-Miete
Gehört die Tilgung wirklich in die Rechnung?
Für den Cashflow ja, denn sie belastet dein Konto. Wirtschaftlich ist sie Vermögensaufbau. Rechne deshalb beide Zahlen: die Break-even-Miete mit Tilgung und die reine Zinsdeckung. Zwischen beiden liegt dein Spielraum.
Warum durch 0,97 teilen und nicht 3 Prozent addieren?
Weil das Mietausfallwagnis von der Miete abgeht, die du suchst. Addieren würde den Betrag auf die falsche Basis rechnen und die Break-even-Miete leicht zu niedrig ansetzen.
Wie hoch setze ich die Instandhaltung an?
Als Größenordnung 7 bis 10 Euro je Quadratmeter und Jahr für das Sondereigentum, also für Bad, Küche, Böden, Türen und Therme. Die Rücklage der Gemeinschaft deckt nur das Gemeinschaftseigentum.
Ist eine Break-even-Miete über Marktmiete immer ein Ausschlusskriterium?
Nein, aber es muss einen Grund geben: absehbare Mietsteigerung, Sanierungspotenzial, Steuervorteile oder bewusst hoher Tilgungsanteil. Ohne Grund ist es schlicht zu teuer eingekauft.
Wie verändert sich die Zahl über die Jahre?
Die Rate bleibt während der Zinsbindung konstant, Hausgeld und Instandhaltung steigen. Die Break-even-Miete wandert also langsam nach oben, während deine Miete meist langsamer folgt.
Was ist der Unterschied zur Mietrendite?
Die Mietrendite bewertet das Objekt unabhängig von deiner Finanzierung. Die Break-even-Miete bewertet deinen konkreten Fall mit deinem Eigenkapital. Beide gehören zusammen, siehe Welche Mietrendite ist gut.
Fazit
Die Break-even-Miete ist eine der ehrlichsten Zahlen im Immobilienkauf, weil sie sich nicht schönrechnen lässt. Rate plus nicht umlagefähiges Hausgeld plus Instandhaltungsreserve, geteilt durch 0,97 — mehr ist es nicht.
Danach folgt die eigentliche Arbeit: die Zahl mit der echten Marktmiete vergleichen. Passt sie nicht, gibt es genau drei Hebel — günstiger kaufen, mehr Eigenkapital einbringen oder das Objekt liegen lassen. Der erste ist der beste. Wie sich das auf den laufenden Monat auswirkt, steht unter Cashflow berechnen.
Du hast ein Exposé und willst die Break-even-Miete wissen?
Bring Kaufpreis, Hausgeld, Fläche und deine Finanzierungskonditionen mit. Dann rechne ich die Zahl mit dir durch.
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