Fehler und Risiken

Die teuersten Fehler beim Immobilienkauf und wie du sie vermeidest

Die teuren Fehler passieren fast nie beim Kaufpreis, sondern bei den Kosten, die im Exposé nicht stehen: zu niedriges Hausgeld, leere Rücklage, kein Puffer, falsch gerechneter Cashflow. Wer die Unterlagen vor dem Notartermin liest, erkennt fast jeden dieser Fehler rechtzeitig und spart sich Jahre teurer Nachzahlungen.

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Christian Gottschling spricht über typische Fehler beim Immobilienkauf

Ein falscher Kauf kostet dich zwanzig Jahre

Ein Aktienfehler tut einmal weh. Ein Immobilienfehler zieht sich. Die Rate läuft weiter, die Wohnung lässt sich nicht in fünf Minuten verkaufen, und der Ausstieg kostet zusätzlich Geld. Deshalb lohnt es sich, die typischen Muster vorher zu kennen.

Und es sind Muster. Wenn du hundert Käufe begleitest, siehst du nicht hundert verschiedene Probleme. Du siehst zwölf, die immer wieder auftauchen, in leicht anderer Kleidung. Fast alle davon lassen sich an drei Stellen erkennen: in der Teilungserklärung, in den Protokollen der Eigentümerversammlung und in der eigenen Rechnung.

Auf dieser Seite steht der Überblick. Die einzelnen Seiten gehen jeweils in die Tiefe.

Übersicht

Die Risiken im Einzelnen

Die häufigsten Fehler beim ersten Kauf

Der Überblick für alle, die noch keine Wohnung besitzen. Zehn Fehler, die fast jeder Einsteiger einmal macht.

Schrottimmobilie erkennen

Zwölf Warnsignale, die du schon im Exposé und beim ersten Rundgang siehst.

Negativer Cashflow

Wann ein Minus im Monat vertretbar ist und wann es der Anfang vom Ende ist.

Sanierungsstau in der Eigentümergemeinschaft

Dach, Fassade, Leitungen, Aufzug. Was aufgeschobene Maßnahmen wirklich kosten.

Kaufen wegen der Steuer

Der teuerste Anfängerfehler. Eine Abschreibung rettet keine schlechte Wohnung.

Strukturvertrieb und Provisionsberatung

Woran du erkennst, dass dir jemand nicht die beste Wohnung verkauft, sondern die mit der höchsten Provision.

Zu teuer gekauft

Woran du vorher merkst, dass der Preis über dem Markt liegt.

Zu wenig Puffer

Die stille Gefahr. Ohne Rücklage auf dem eigenen Konto wird jede Reparatur zum Problem.

Mietausfall

Wenn die Miete ausbleibt und die Rate weiterläuft: der Notfallplan.

Problemmieter

Was rechtlich wirklich geht und wie lange es dauert.

Teure Anschlussfinanzierung

Was passiert, wenn der Zins am Ende der Bindung deutlich höher liegt.

Fehlkauf: was jetzt?

Halten, sanieren oder verkaufen. Die Entscheidung mit Zahlen statt mit Bauchgefühl.

Die drei Stellen, an denen fast alles sichtbar wird

Du brauchst keine Detektivarbeit. Drei Dokumente reichen für eine erste ehrliche Einschätzung.

Die Jahresabrechnung. Dort steht, was das Haus wirklich kostet, nicht was der Verkäufer behauptet. Achte auf den Anteil, den du als Vermieter nicht auf den Mieter umlegen kannst.
Die Protokolle der Eigentümerversammlung. Drei Jahre reichen meistens. Wenn dieselbe Maßnahme seit Jahren vertagt wird, kommt sie. Und zwar bald.
Der Stand der Instandhaltungsrücklage. Setze ihn ins Verhältnis zur Anzahl der Einheiten und zum Baujahr. Eine dünne Rücklage bei einem Haus aus den Sechzigern ist ein Warnsignal, kein Detail.

Wenn eines dieser Dokumente nicht kommt, ist das schon die Antwort. Kaufe nichts, das du nicht prüfen darfst. Wie du die Unterlagen liest, steht im Ablauf beim Kauf einer Eigentumswohnung.

Was die Hausverwaltung über Fehler weiß

Ein Coach sieht den Kauf. Eine Hausverwaltung sieht die zehn Jahre danach. Ich betreue rund 4.000 Einheiten in Nordrhein-Westfalen, viele davon in Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Oberhausen. Jeden Monat laufen dort Abrechnungen, Beschlüsse, Schäden und Mieterwechsel durch.

Dadurch kenne ich die Rechnung von hinten. Ich sehe nicht die Kalkulation aus dem Exposé, sondern die tatsächlichen Kosten drei Jahre später. Und dort fällt auf: Der Fehler liegt selten im Kaufpreis. Er liegt fast immer in einer Position, die im Kopf gar nicht vorkam.

Fast jede kaputte Rechnung, die ich sehe, hat dieselbe Ursache: Der Käufer hat mit der Bruttomiete gerechnet und die nicht umlagefähigen Kosten vergessen.

Ein Erfahrungswert aus dem eigenen Bestand: In den von mir verwalteten Objekten liegt der Teil des Hausgelds, den du als Vermieter selbst tragen musst, typischerweise bei rund einem Viertel bis einem Drittel des gesamten Hausgelds. Wer diesen Anteil in der Kalkulation vergisst, rechnet seine Rendite um mehrere Zehntelprozentpunkte zu schön. Bei knapp kalkulierten Objekten kippt genau daran der Cashflow.

Zweite Beobachtung aus der Praxis: Der häufigste Grund für Streit nach dem Kauf ist nicht der Mieter, sondern die Eigentümergemeinschaft. Ein Käufer kann seinen Mieter aussuchen. Seine Miteigentümer bekommt er mitgeliefert.

Risiken, die du nicht wegrechnen kannst

Manche Risiken lassen sich nur verkleinern, nicht abschaffen. Das gehört zur Wahrheit.

Der Zins am Ende der Zinsbindung ist offen. Ein Mieter kann zahlungsunfähig werden. Ein Stadtteil kann sich in zwanzig Jahren anders entwickeln, als alle erwarten. Und die Gemeinschaft kann eine Maßnahme beschließen, die du nicht wolltest.

Dagegen hilft kein Trick, sondern nur Vorsicht in der Kalkulation: ein Puffer auf dem Konto, eine Tilgung, die zu deinem Einkommen passt, und der Verzicht auf Objekte, die nur bei perfektem Verlauf funktionieren. Was das für deine Zahlen bedeutet, steht in der Renditeberechnung für Anlageimmobilien, und was die Bank davon hält, in der Finanzierung für Kapitalanleger.

Fragen

Häufige Fragen zu Risiken beim Immobilienkauf

Was ist der häufigste Fehler beim ersten Kauf?

Die Kalkulation mit zu wenigen Kostenpositionen. Wer nur Kaufpreis, Miete und Zins rechnet, kommt auf eine Zahl, die es nicht gibt. Es fehlen der nicht umlagefähige Anteil des Hausgelds, die eigene Rücklage für Reparaturen und ein Ansatz für Leerstand.

Wie viel Puffer brauche ich auf dem Konto?

Als grobe Hausnummer: die laufenden Kosten der Wohnung für ein Jahr plus eine Reserve für eine mögliche Sonderumlage. Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass der Puffer nicht angerührt wird und nicht schon für die Nebenkosten des Kaufs verplant war.

Woran erkenne ich eine Schrottimmobilie?

An der Kombination aus sehr hoher versprochener Rendite, drängendem Verkäufer, unvollständigen Unterlagen und einem Standort, den niemand kennt. Einzelne Punkte sind normal. Alle vier zusammen sind ein Fluchtsignal.

Ich habe schon gekauft und die Zahlen stimmen nicht. Was jetzt?

Erst rechnen, dann handeln. Oft ist ein Objekt nicht schlecht, sondern nur falsch finanziert oder zu günstig vermietet. Verkaufen ist die teuerste Lösung und selten die erste. Was in welcher Reihenfolge zu prüfen ist, steht auf der Seite zum Fehlkauf.

Sind Wohnungen im Ruhrgebiet riskanter als in München?

Anders, nicht riskanter. Im Revier zahlst du weniger pro Quadratmeter und bekommst mehr laufende Miete. Dafür sind die Unterschiede zwischen zwei Straßen größer. Ortskenntnis ersetzt hier das, was anderswo der hohe Preis absichert.

Kann ich mich gegen Mietausfall versichern?

Es gibt Angebote dafür, sie kosten aber Rendite und greifen nicht in jedem Fall. Der wirksamere Schutz ist die Auswahl des Mieters, eine vollständige Selbstauskunft und ein Puffer, der zwei bis drei Monate Rate trägt.

Fazit

Risiken verschwinden nicht, wenn man nicht hinsieht — sie werden nur teurer. Die gute Nachricht: Die meisten Fehler beim Immobilienkauf sind bekannt, wiederholen sich und stehen in Unterlagen, die du vor dem Notartermin bekommst.

Nimm dir für dein nächstes Angebot eine feste Reihenfolge vor: erst die Zahlen mit allen Kosten, dann die Unterlagen der Gemeinschaft, dann die Finanzierung. Wenn dabei etwas nicht passt, ist ein Nein die günstigste Entscheidung deines Jahres.

Diese Seite ist eine Einordnung aus der Praxis und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung.

Lieber vorher einmal draufschauen lassen

Diese Fehler kosten schnell fünfstellig. Ein Gespräch kostet nichts.

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