Lexikon · Rendite
Bruttomietrendite einfach erklärt
Die Bruttomietrendite ist die Jahresnettokaltmiete geteilt durch den Kaufpreis, angegeben in Prozent. Sie ist die Zahl, die in fast jedem Exposé steht. Kaufnebenkosten und laufende Kosten kommen darin nicht vor. Deshalb taugt sie zum schnellen Sortieren von Angeboten, aber nicht als Grundlage für eine Kaufentscheidung.
Wie es berechnet wird
Du brauchst genau zwei Zahlen: die monatliche Kaltmiete und den Kaufpreis. Miete mal zwölf, geteilt durch den Kaufpreis, mal hundert. Wichtig ist die Nettokaltmiete, also die Miete ohne Nebenkostenvorauszahlung. Wer die Warmmiete einsetzt, rechnet sich das Objekt schön.
Beispiel: eine vermietete Zweizimmerwohnung in Essen-Altendorf, 68 Quadratmeter, Baujahr in den Fünfzigern, Kaufpreis 139.000 Euro, Kaltmiete 640 Euro im Monat.
| Kaufpreis | 139.000 € |
| Kaltmiete pro Monat | 640 € |
| Jahresnettokaltmiete | 7.680 € |
| Bruttomietrendite | 5,5 % |
| Zum Vergleich: Nettomietrendite desselben Objekts | 3,9 % |
Zwischen den beiden Zahlen liegen 1,6 Prozentpunkte. Der Unterschied entsteht durch die Kaufnebenkosten, den nicht umlagefähigen Teil des Hausgelds, deine eigene Rücklage für das Sondereigentum und einen Ansatz für Mietausfall. Nichts davon ist Trickserei, es fehlt im Exposé einfach.
Worauf du achten musst
Aus der Verwaltungspraxis
Ein Erfahrungswert aus dem eigenen Bestand und aus rund 4.000 verwalteten Einheiten: Bei Bestandswohnungen im Ruhrgebiet liegt die Bruttomietrendite meistens in einer Spanne von etwa 4,5 bis 6,5 Prozent. Alles darunter ist entweder eine sehr gute Lage oder ein zu hoher Preis. Alles deutlich darüber hat fast immer einen Grund, den du im Exposé nicht siehst.
Was mir dabei regelmäßig auffällt: Zwei Wohnungen mit identischer Bruttorendite können am Monatsende völlig unterschiedlich dastehen. Der Unterschied liegt im Hausgeld und im Zustand des Gemeinschaftseigentums, und beides taucht in dieser Kennzahl nicht auf.
Verwandte Begriffe
Weiterlesen: alle Begriffe im Immobilien-Lexikon, die vollständige Rechnung im Silo Rendite von Anlageimmobilien.
Fazit
Die Bruttomietrendite ist ein Filter, kein Urteil. Sie hilft dir, aus zwanzig Exposés fünf herauszusuchen, die du genauer anschaust.
Für die Entscheidung brauchst du die Nettomietrendite und den Cashflow. Wer nur auf die Bruttozahl schaut, kauft die Wohnung mit der schönsten Werbung, nicht die mit der besten Rechnung.
Diese Erklärung ist allgemein gehalten und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung.
Fünf Prozent im Exposé, und jetzt?
Im Erstgespräch rechne ich die Wohnung mit dir durch, bis die ehrliche Zahl auf dem Tisch liegt.
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