Modellrechnung

Modellrechnung: ein Mehrfamilienhaus mit sechs Einheiten

Eine Modellrechnung: sechs Wohnungen, 380 Quadratmeter, 495.000 Euro Kaufpreis, 2.584 Euro Kaltmiete im Monat. Nach allen Bewirtschaftungskosten bleiben 1.855,64 Euro. Die Rate beträgt 2.260,79 Euro. Der Cashflow liegt bei minus 405,15 Euro im Monat, getilgt werden 755,33 Euro. Erfundenes Objekt, offene Annahmen, kein Renditeversprechen.

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Warum ein Haus anders gerechnet wird als eine Wohnung

Bei einer Eigentumswohnung erledigt die Gemeinschaft vieles für dich. Sie zieht Rücklagen ein, beauftragt Handwerker und schickt dir eine Abrechnung. Das Ganze heißt Hausgeld und steht als eine Zeile in deiner Rechnung.

Bei einem eigenen Mehrfamilienhaus gibt es diese Zeile nicht. Es gibt auch keine Gemeinschaft, die dich bremst. Dach, Heizung, Treppenhaus, Versicherung, Verwaltung: alles deins. Deshalb muss jede Position einzeln in die Rechnung.

Wer ein Haus mit der Formel einer Eigentumswohnung rechnet, landet regelmäßig 300 bis 600 Euro im Monat zu optimistisch. Das ist der häufigste Fehler beim Sprung vom ersten Objekt zum zweiten.

Wichtig: Das ist eine Modellrechnung. Das Haus gibt es nicht, den Käufer gibt es nicht. Alle Annahmen stehen offen im Text. Es ist kein Versprechen auf ein Ergebnis.

Das Objekt im Modell

Ein Mehrfamilienhaus in einer Ruhrgebietsstadt mit einfachem bis mittlerem Mietniveau, vergleichbar mit Gelsenkirchen. Bestandsbau, Dach vor einigen Jahren neu gedeckt, Heizung mittleren Alters, Fenster gemischt. Kein Sanierungsstau, aber auch nichts, was neu wäre.

AngabeWert
Einheiten4 × 62 m² und 2 × 66 m²
Wohnfläche gesamt380 m²
Kaufpreis495.000,00 €
Kaufpreis je Quadratmeter1.302,63 €
Kaltmiete je Quadratmeter6,80 €
Kaltmiete im Monat2.584,00 €
Kaltmiete im Jahr31.008,00 €
Kaufpreisfaktor15,96
Bruttomietrendite6,26 %

Ein Faktor von knapp 16 sieht neben einer Eigentumswohnung gut aus. Das täuscht. Bei einem Haus fressen die Bewirtschaftungskosten deutlich mehr weg, weil nichts über eine Gemeinschaft verteilt wird.

Schritt 1: Kaufnebenkosten und Finanzierung

Die Grunderwerbsteuer in Nordrhein-Westfalen liegt bei 6,5 Prozent. Dazu Notar und Grundbuch mit 2 Prozent und die Maklerprovision mit 3,57 Prozent für den Käufer.

PositionSatzBetrag
Kaufpreis495.000,00 €
Grunderwerbsteuer6,50 %32.175,00 €
Notar und Grundbuch2,00 %9.900,00 €
Maklerprovision3,57 %17.671,50 €
= Kaufnebenkosten12,07 %59.746,50 €
= Gesamtinvestition554.746,50 €

Knapp 60.000 Euro Nebenkosten. Diese Summe ist am Notartermin verbraucht. Das ist der Grund, warum ein Haus fast nie ein kurzfristiges Geschäft ist.

Im Modell bringst du 110.000 Euro Eigenkapital ein. Das Darlehen beträgt 444.746,50 Euro, also 89,85 Prozent des Kaufpreises. Bei 4,1 Prozent Zins und 2,0 Prozent Anfangstilgung ergibt sich eine Rate von 2.260,79 Euro im Monat, das sind 27.129,48 Euro im Jahr.

Nach zehn Jahren hast du 109.724,80 Euro getilgt. Die Restschuld liegt dann bei 335.021,69 Euro. Ob du das durchhältst, prüfst du vorher über deine Kapitaldienstfähigkeit.

Schritt 2: Die Bewirtschaftungskosten, Zeile für Zeile

Hier entscheidet sich alles. Vier Positionen, die bei einer Eigentumswohnung im Hausgeld verschwinden, musst du beim Haus selbst ansetzen.

Verwaltung. Ob du selbst verwaltest oder eine Hausverwaltung beauftragst: Rechne den Aufwand ein. Im Modell 300 Euro je Einheit und Jahr, also 1.800 Euro. Wer selbst verwaltet, spart das Geld und zahlt mit Zeit.

Instandhaltung. Dach, Heizung, Leitungen, Treppenhaus, Fassade. Setz 12 Euro je Quadratmeter und Jahr an: 380 mal 12 gleich 4.560 Euro. Das ist eine mittlere Annahme. Bei einem Haus mit alter Heizung ist sie zu niedrig.

Mietausfallwagnis. Bei sechs Mietern ist ein Ausfall wahrscheinlicher als bei einem. Andererseits trifft er dich nie ganz. Setz 4 Prozent der Jahreskaltmiete an: 1.240,32 Euro.

Nicht umlagefähige Betriebskosten. Kontoführung, Teile der Verwaltungsnebenkosten, Kosten bei Leerstand. Im Modell 3 Euro je Quadratmeter: 1.140 Euro.

Positionje Jahrje Monat
Kaltmiete31.008,00 €2.584,00 €
− Verwaltung, 6 × 300 €−1.800,00 €−150,00 €
− Instandhaltung, 12 €/m²−4.560,00 €−380,00 €
− Mietausfallwagnis, 4 %−1.240,32 €−103,36 €
− nicht umlagefähige Betriebskosten−1.140,00 €−95,00 €
= Bewirtschaftungskosten−8.740,32 €−728,36 €
= Reinertrag22.267,68 €1.855,64 €
− Darlehensrate−27.129,48 €−2.260,79 €
= Cashflow vor Steuern−4.861,80 €−405,15 €
davon Tilgung im ersten Jahr9.063,94 €755,33 €
= Vermögenszuwachs im ersten Jahr4.202,14 €350,18 €

Die Bewirtschaftungskosten fressen 28,19 Prozent der Kaltmiete. Aus 6,26 Prozent Bruttomietrendite werden 4,01 Prozent Nettomietrendite auf die Gesamtinvestition. Genau dieser Abstand ist der Unterschied zwischen einem Exposé und einer Rechnung.

Modellrechnung mit frei gewählten Annahmen. Instandhaltungsbedarf, Mietniveau und Zins unterscheiden sich je nach Objekt, Stadtteil und Bank.

Schritt 3: Der Stresstest, den jeder rechnen sollte

Ein Haus hat einen großen Vorteil gegenüber einer einzelnen Wohnung: Ein Leerstand legt dich nicht lahm. Eine 62-Quadratmeter-Wohnung bringt 421,60 Euro im Monat. Das sind rund 16 Prozent deiner Mieteinnahmen, nicht 100.

Leerstand einer WohnungMietausfallCashflow im Jahrje Monat
ohne Leerstand0,00 €−4.861,80 €−405,15 €
3 Monate−1.264,80 €−6.126,60 €−510,55 €
6 Monate−2.529,60 €−7.391,40 €−615,95 €
12 Monate−5.059,20 €−9.921,00 €−826,75 €

Selbst ein Jahr Leerstand einer Wohnung kippt das Objekt nicht. Bei einer einzelnen Eigentumswohnung wäre dasselbe Ereignis das Ende der Kalkulation. Das ist der eigentliche Grund, warum Mehrfamilienhäuser stabiler laufen — nicht die höhere Rendite. Wie du Leerstand klein hältst, steht unter Leerstand vermeiden.

Der zweite Stresstest: die Anschlussfinanzierung

Nach zehn Jahren stehen 335.021,69 Euro offen. Angenommen, du willst sie in den verbleibenden zwanzig Jahren vollständig zurückzahlen.

Zins bei AnschlussRate über 20 JahreRate über 15 Jahre
3,5 %1.942,99 €2.395,01 €
4,5 %2.119,51 €2.562,89 €
5,5 %2.304,57 €2.737,41 €
7,0 %2.597,41 €3.011,27 €

Überraschend ist die erste Zeile der Tabelle. Selbst bei 5,5 Prozent liegt die Rate mit 2.304,57 Euro nur 43,78 Euro über der heutigen. Der Grund: Die Restschuld ist um gut 110.000 Euro gesunken. Gefährlich wird nicht der Zins allein, sondern der Zins in Kombination mit einer kurzen Restlaufzeit. Mehr dazu unter Anschlussfinanzierung.

Wo diese Rechnung kippen kann

Die Heizung. Eine neue Zentralheizung für sechs Einheiten kostet schnell eine mittlere fünfstellige Summe. Das ist mehr als drei Jahre Instandhaltungsansatz auf einen Schlag.
Die Instandhaltung ist zu niedrig angesetzt. 12 Euro je Quadratmeter reichen bei einem gepflegten Haus. Bei einem Haus mit altem Dach, alten Leitungen und alten Fenstern brauchst du eher 18 bis 25 Euro.
Die Mieten sind zu hoch angesetzt. Prüf jeden Mietvertrag einzeln. Ein Verkäufer, der kurz vor dem Verkauf noch alle Mieten erhöht hat, hinterlässt dir die Widersprüche.
Der Aufwand. Sechs Mieter heißt sechs Abrechnungen, sechs Kautionen, sechs Ansprechpartner. Wer das unterschätzt, verwaltet bald ungern und dann schlecht.
Die Bank will mehr Eigenkapital. Bei 89,85 Prozent Beleihungsauslauf und einem älteren Haus sind Abschläge auf den Beleihungswert üblich. Dann fehlt dir Geld, das du nicht eingeplant hast.

Ein Erfahrungswert aus rund 4.000 verwalteten Einheiten in Nordrhein-Westfalen: Bei Mehrfamilienhäusern aus dem Bestand liegen die tatsächlichen Bewirtschaftungskosten erfahrungsgemäß zwischen einem Viertel und einem Drittel der Kaltmiete. Wer in seiner Kalkulation deutlich darunter bleibt, hat fast immer die Instandhaltung zu niedrig oder die Verwaltung gar nicht angesetzt.

Fazit

Das Modellhaus kostet dich 405,15 Euro im Monat und baut im ersten Jahr 4.202,14 Euro Vermögen auf. Nach zehn Jahren stehen 109.724,80 Euro Tilgung gegen 48.618 Euro Zuzahlung. Ohne jede Wertsteigerung bleibt ein Plus von 61.106,80 Euro.

Das sieht besser aus als bei einer einzelnen Wohnung. Es ist aber auch ein anderes Spiel: mehr Eigenkapital, mehr Verantwortung, mehr Arbeit und ein einzelnes Bauteil, das dir ein ganzes Jahr verhageln kann.

Die wichtigste Zeile der ganzen Seite sind die Bewirtschaftungskosten. Wer sie ehrlich ansetzt, sieht ein Haus realistisch. Wer sie weglässt, kauft eine Zahl aus dem Exposé. Wie eine einzelne Wohnung dagegen aussieht, zeigt die Modellrechnung zur ersten Eigentumswohnung. Woher die Zahlen in echten Fällen stammen, steht unter Wie eine Fallstudie hier entsteht.

Modellrechnung ohne reale Person und ohne reales Objekt. Kein Renditeversprechen. Diese Seite ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung.

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